Aserbaidschans Energiestrategie bei Handelsblatt-Jahrestagung Gas hervorgehoben
Auf der Handelsblatt-Jahrestagung Gas am 17. September 2025 in Berlin wurde Aserbaidschans Rolle als verlässlicher Energiepartner Europas hervorgehoben.
Auf Einladung der Wirtschaftszeitung Handelsblatt hielt der Botschafter der Republik Aserbaidschan in Deutschland, Nasimi Aghayev, die Grundsatzrede „Aserbaidschans Beitrag zur europäischen Energiesicherheit in geopolitisch herausfordernden Zeiten“.
Der Botschafter erinnerte daran, dass Aserbaidschan mit dem „Vertrag des Jahrhunderts“ von 1994, kurz nach der Unabhängigkeit des Landes, die Energiekooperation im Kaspischen Raum neu gestaltet habe. Das Abkommen habe westlichen Unternehmen den Marktzugang eröffnet und langfristige strategische Partnerschaften ermöglicht.
Ein zentrales Element dieser Partnerschaften ist der Südliche Gaskorridor – ein über 3.500 Kilometer langes Pipelinesystem, das aus der Südkaukasischen Pipeline, der Transanatolischen Pipeline und der Transadriatischen Pipeline besteht und die großen Gasfelder Aserbaidschans direkt mit Europa verbindet. Allein das Schah-Deniz-Feld in Aserbaidschan verfüge über Reserven von rund 1,2 Billionen Kubikmetern. Dank seiner Ausbaufähigkeit könne der Korridor künftig noch größere Mengen sicher und effizient transportieren.
Aghayev betonte, dass Aserbaidschan 2024 25,3 Milliarden Kubikmeter Erdgas exportierte, davon fast 13 Milliarden Kubikmeter nach Europa – ein Anstieg um mehr als 50 Prozent innerhalb von nur zwei Jahren. Heute beliefere das Land 14 Staaten, darunter 11 in Europa, von denen 9 Mitglieder der EU sind. Dies zeige, dass Aserbaidschan nicht nur einzelne Märkte bediene, sondern ein integraler Bestandteil der europäischen Energieversorgung sei.
Auch die Zusammenarbeit mit Deutschland hob Aghayev hervor. Langfristige Lieferverträge mit Uniper und SEFE (Securing Energy for Europe) sicherten der Bundesrepublik den Import von rund drei Milliarden Kubikmetern Erdgas jährlich. Trotz geopolitischer Spannungen und globaler Lieferkettenprobleme habe Aserbaidschan keine einzige Lieferung unterbrochen.
Der Botschafter verwies außerdem auf das paraphierte Friedensabkommen und gemeinsame Erklärung zwischen Aserbaidschan und Armenien, die im August 2025 in Washington unterzeichnet wurden. Dieser Schritt eröffne neue Perspektiven für Stabilität, Transport- und Handelswege sowie gemeinsame Infrastrukturprojekte.
Mit Blick auf die Zukunft kündigte Aghayev den schrittweisen Umbau des Südlichen Gaskorridors für den Transport von grünem Wasserstoff an. Erste Pilotprojekte seien bereits in Planung. Parallel investiere Aserbaidschan massiv in erneuerbare Energien: In Zusammenarbeit mit internationalen Partnern seien Projekte mit einer Gesamtleistung von über 10 Gigawatt vereinbart.
Darüber hinaus unterstrich Aghayev die strategische Bedeutung des Black Sea Undersea Cable, eines Unterseekabels, das künftig grünen Strom aus Aserbaidschan und dem Südkaukasus direkt nach Europa liefern soll. Geplant ist zunächst eine Übertragungskapazität von vier Gigawatt, mit Option auf Verdopplung. Das Projekt werde zu einem wichtigen Bestandteil der europäischen Energiewende.
Abschließend machte Aghayev deutlich, dass Aserbaidschan sich vom Öl-und Gaslieferanten zu einem umfassenden Energiepartner Europas entwickle – als Brücke zwischen Kaspischem Meer und EU-Binnenmarkt, die fossile und erneuerbare Energien verbindet. Ziel sei es, Versorgungssicherheit und Klimaneutralität gleichermaßen zu gewährleisten und damit Stabilität, Wachstum und nachhaltigen Fortschritt zu ermöglichen.
Ein Kurzvideo der Veranstaltung finden Sie hier: https://youtu.be/9AzA0XNlbuY?feature=shared