Einweihung einer Gedenktafel für aserbaidschanische Kriegsgefangene in Bergen-Belsen
Am 19. April wurde eine Gedenktafel für aserbaidschanische Kriegsgefangene eingeweiht, die während des Zweiten Weltkriegs im Lager Bergen-Belsen interniert waren und dort ums Leben kamen.
Die Zeremonie fand auf dem Kriegsgefangenenfriedhof der Gedenkstätte Bergen-Belsen statt. Die Gedenktafel wurde von der Botschaft Aserbaidschans in Deutschland in aserbaidschanischer und deutscher Sprache vorbereitet.
An der Veranstaltung nahmen unter anderem der Botschafter Aserbaidschans in Deutschland, Nasimi Aghayev, die Präsidentin des Niedersächsischen Landtags Hanna Naber, die niedersächsische Kultusministerin Julia Willie Hamburg sowie die Geschäftsführerin der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten und Leiterin der Gedenkstätte Bergen-Belsen, Dr. Elke Gryglewski, teil. Ebenfalls anwesend waren Vertreter der aserbaidschanischen Diaspora sowie zahlreicher deutscher Institutionen.
In seiner Gedenkrede hob Botschafter Aghayev hervor, dass die Einweihung der Gedenktafel ein wichtiges Zeichen gegen das Vergessen und gegen das Schweigen setze.
Nach bereits erfolgten Initiativen in Dachau (2024) und Sachsenhausen (2025) werde mit Bergen-Belsen der Weg der Erinnerung, Sichtbarkeit und historischen Gerechtigkeit fortgesetzt. Die Gedenktafel stehe nicht nur für die Toten, sondern richte sich auch an die Lebenden: Sie erinnere daran, dass Freiheit und Menschenwürde niemals selbstverständlich seien.
Aghayev erinnerte insbesondere an die aserbaidschanischen Kriegsgefangenen, die unter unmenschlichen Bedingungen nach Bergen-Belsen verschleppt wurden. Viele von ihnen seien fern ihrer Heimat gestorben – ohne Grab, ohne Namen und ohne Abschied. „Heute holen wir sie zurück in unser gemeinsames Gedächtnis und geben ihnen ihre Würde zurück“, betonte er.
Zugleich verwies der Botschafter auf den bedeutenden Beitrag Aserbaidschans zum Sieg über den Nationalsozialismus. Rund 700.000 Aserbaidschaner wurden zum Kriegsdienst eingezogen, mehr als 300.000 verloren ihr Leben. Sie kämpften an entscheidenden Fronten wie Stalingrad, Kursk, Kyjiw, Budapest und Berlin. 128 von ihnen wurden als „Helden der Sowjetunion“ ausgezeichnet, während mehr als 170.000 weitere für ihren Mut Orden und Medaillen erhielten. Zudem beteiligten sich etwa 10.000 Aserbaidschaner am Widerstand gegen die nationalsozialistische Besatzung in Europa.
Auch die Rolle der aserbaidschanischen Ölindustrie wurde hervorgehoben: Ein Großteil der Versorgung der sowjetischen Armee – darunter 80 % des Treibstoffs, 90 % des Naphthas und 96 % der Schmierstoffe – stammte aus Aserbaidschan. Darüber hinaus bot das Land während des Holocaust tausenden jüdischen Flüchtlingen Schutz und Zuflucht.
Nach den Reden wurde die Gedenktafel feierlich enthüllt, Kränze niedergelegt und der Opfer mit einer Schweigeminute gedacht.
Das Lager Bergen-Belsen im Bundesland Niedersachsen war ein Ort des Leidens für zehntausende Menschen. Insgesamt wurden dort rund 120.000 Gefangene aus verschiedenen europäischen Ländern festgehalten, von denen mehr als 52.000 ums Leben kamen. Auf dem Kriegsgefangenenfriedhof sind 19.580 sowjetische Kriegsgefangene begraben, darunter auch zahlreiche Aserbaidschaner.
Heute, so betonte Aghayev abschließend, erhielten die aserbaidschanischen Kriegsgefangenen in Bergen-Belsen einen festen Platz im kollektiven Gedächtnis Europas. Die Gedenktafel werde bleiben – als Stimme für jene, die nicht mehr sprechen konnten, und als Mahnung für kommende Generationen.
Video der Veranstaltung: https://youtu.be/5e9HKtqM2Sk?is=2mOqk6urwUBcso7L