Aserbaidschan präsentiert strategische Rolle im Mittleren Korridor in Berlin
Botschafter Nasimi Aghayev: „Der Mittlere Korridor ist eine Brücke des Friedens und der wirtschaftlichen Entwicklung zwischen Europa und Asien.“
Berlin, 23. Oktober 2025 – Auf dem Logistikkongress BVL Supply Chain CX 2025 in Berlin - der größten Logistikkonferenz Deutschlands - fand am 23. Oktober 2025 der hochrangige Ambassadors’ Talk unter dem Motto „Neue Routen – neue Märkte: Der Mittlere Korridor als Wachstumsmotor für wirtschaftliche Entwicklung im Südkaukasus und in Zentralasien“ statt.
Das Panel, moderiert von Mirco Nowak, CEO der LUNO-Group und Sprecher des BVL Chapters Eurasia, vereinte die Botschafter aus Aserbaidschan, Usbekistan und Tadschikistan, den stellvertretenden Botschafter Kasachstans sowie führende Vertreter der europäischen Logistikbranche. Im Mittelpunkt standen die Chancen, die der Mittlere Korridor für Handel, Infrastruktur und nachhaltige Konnektivität zwischen Europa und Asien bietet.
Aghayev: „Der Mittlere Korridor steht für Stabilität und Integration“
Der aserbaidschanische Botschafter Nasimi Aghayev betonte in seiner Rede die wachsende strategische Bedeutung des Mittleren Korridors für globale Lieferketten und geopolitische Stabilität.
„Der Mittlere Korridor ist weit mehr als eine Transitroute – er ist ein Symbol für Stabilität, Energie- und Transportsicherheit sowie ein Motor für regionale Wertschöpfung und industrielle Entwicklung“, erklärte Aghayev. „In Zeiten globaler Unsicherheiten bietet er eine sichere, konfliktfreie Verbindung zwischen Europa und Asien.“
Aghayev erinnerte daran, dass Aserbaidschan bereits vor drei Jahrzehnten Mitbegründer der TRACECA-Initiative war, die den Grundstein für die heutigen Ost-West-Verbindungen legte. Das Land habe seither massiv in seine Infrastruktur investiert – in Häfen, Eisenbahnverbindungen, Straßen und Flughäfen –, um den Mittleren Korridor zu einer modernen, effizienten und nachhaltigen Wirtschaftsachse auszubauen.
Im Jahr 2024 seien 14,5 Millionen Tonnen Transitfracht über Aserbaidschan transportiert worden, davon über vier Millionen Tonnen über den Mittleren Korridor. „Unser Ziel ist klar: mehr Volumen, kürzere Laufzeiten und höhere Effizienz“, betonte der Botschafter.
Industrialisierung und Innovation entlang der Route
Aghayev verwies auf die zunehmende Industrialisierung entlang des Korridors. Ein aktuelles Beispiel sei das gemeinsame Projekt der aserbaidschanischen Regierung mit MAN Truck & Bus und dem lokalen Partner Improtex zur Montage und Produktion elektrischer Stadtbusse in Aserbaidschan – ein Symbol für nachhaltige Wertschöpfung und deutsch-aserbaidschanische Industriekooperation.
Darüber hinaus entstehe in Alat, südlich von Baku, ein modernes Fracht- und Logistikzentrum mit eigenem Flughafen. Der Hafen von Baku werde derzeit auf eine Umschlagskapazität von 25 Millionen Tonnen und 500.000 TEU pro Jahr erweitert.
Friedensdividende und neue regionale Konnektivität
In seiner Rede hob Aghayev auch die jüngsten Fortschritte im Friedensprozess zwischen Aserbaidschan und Armenien hervor. Die Paraphierung eines Friedensabkommens in Washington markiere einen historischen Wendepunkt. Aserbaidschan habe sämtliche Transitbeschränkungen nach Armenien aufgehoben – die erste Transitlieferung, Weizen aus Kasachstan nach Armenien, sei bereits erfolgreich abgewickelt worden.
„Frieden zwischen Aserbaidschan und Armenien existiert nicht mehr nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis“, so Aghayev. „Diese neue Realität schafft die Basis für offene Grenzen, wirtschaftliche Kooperation und gemeinsame Infrastrukturprojekte in der gesamten Region.“
Digitale Infrastruktur als Schlüssel zur Effizienz
Neben physischen Investitionen treibe Aserbaidschan auch die digitale Vernetzung der Handelsrouten voran. Die Digitale Logistikplattform (DLP) verknüpfe Häfen, Bahnen, Terminals und Zollbehörden in Echtzeit, sorge für Transparenz und reduziere Kosten durch elektronische Frachtpapiere und e-TIR-Systeme.
Einladung an deutsche Wirtschaft
Zum Abschluss lud Aghayev die deutsche Wirtschaft zu einer aktiven Rolle in der weiteren Entwicklung des Korridors ein:
„Wir laden deutsche Unternehmen ein, Teil dieser Entwicklung zu werden – als Technologiepartner, Investoren und Innovatoren. Gemeinsam können wir den Mittleren Korridor zu einer der effizientesten, nachhaltigsten und sichersten Wirtschaftsachsen der Welt machen.“