news banner image Desktop news banner image Mobile
Pressemitteilung 01 August 2025

Interview von Behörden Spiegel mit Botschafter Nasimi Aghayev

Das folgende Interview mit dem Botschafter Aserbaidschans in Deutschland, Nasimi Aghayev, wurde im Juli 2025 von der deutschen Zeitung Behörden Spiegel veröffentlicht.

 

“FREUND UND PARTNER

 

Sein Land liegt zwischen dem Kaspischem Meer und dem Kaukasus, grenzt nördlich an Russland, nordwestlich an Georgien, südlich an den Iran und im Westen an Armenien. Zehn Millionen leben in dem vorderasiatischen Staat, der mit 86.000 km2 so groß ist wie Österreich und Luxemburg zusammen.

 

Aserbaidschan. Ein an der Kreuzung von Kulturen und Zivilisationen mitten auf der historischen Seidenstraße gelegenes, vielfältiges multikulturelles Gebiet – und mit Deutschland durch eine über 200-jährige Geschichte verbunden. Zwischen der zweiten Hälfte des 18. und des 19. Jahrhunderts kommen schwäbische Siedler auf Einladung der Zarin Katharina II. und ihres Enkels Alexander I. dorthin.

 

Die Auswanderung beginnt im Raum Tübingen, Reutlingen, Urach und im Remstal 1816 mit den ersten 40 Familien aus Schweikheim. Dabei gründen sie Ortschaften wie Elisabethtal, Katharinenfeld, Marienfeld (alle heute Georgien), Helenendorf, Annenfeld oder Georgsfeld (alle heute Aserbaidschan). Die bilateralen Beziehungen beruhen daher auf Vertrauen, gleichberechtigter Zusammenarbeit in Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport, Bildung und im Gesundheitswesen.

 

Also allerbeste Voraussetzungen für Botschafter Nasimi Aghayev, sich „entspannt“ um die Kontakte zu Landsleuten, Parlamentariern und anderen Entscheidungsträgern zu kümmern, sie fortzuführen, auszubauen und seine Regierung in Baku über bedeutende Ereignisse hierzulande auf dem Laufenden zu halten. Der 46-Jährige kennt die Bundesrepublik seit 2003, als er an der Universität Saarbrücken Europarecht studiert. 2005 kommt er erstmals an die aserbaidschanische Vertretung in Berlin und ist seit 2022 Hausherr in der Hubertusallee.

 

„Wichtig ist mir“, so Botschafter Aghayev, „das Bewusstsein und Verständnis für Aserbaidschan hierzulande mit intensivem kulturellem Austausch, Bildungskooperationen und öffentlichen Veranstaltungen zu fördern. Wir möchten zeigen, dass wir ein weltoffener Vielvölkerstaat mit einer starken Kultur der Toleranz und des harmonischen Zusammenlebens sind.“

 

Das ist seit Aufnahme der diplomatischen Beziehungen 1992 auch gut gelungen. Aserbaidschan ist mit über 250 deutschen Unternehmen der größte Wirtschafts- und Handelspartner im Südkaukasus. Deutschland exportiert Maschinen, Kraftfahrzeuge, Kfz-Teile, Eisen- und Stahlerzeugnisse sowie Fabrikationsanlagen. Besondere Bedeutung kommt dem kaukasischen Staat freilich als einer unserer wichtigsten Erdgaslieferanten zu.

 

Wichtiger Erdgaslieferant seit dem Ukraine-Krieg

 

„Über den südlichen Gaskorridor lieferten wir im vergangenen Jahr fast 13 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach Europa – ein deutlicher Anstieg gegenüber den acht Milliarden Kubikmetern vor Beginn des Ukraine-Krieges“, so Aghayev. Vor Kurzem sei zudem ein neuer langfristiger Vertrag mit Deutschland unterzeichnet worden, der die Gasexporte aus Aserbaidschan auf 3 Milliarden Kubikmeter pro Jahr verdoppele. Das zeige das Engagement Aserbaidschans, Deutschland und Europa in Zeiten der Energiekrise aktiv zu unterstützen. Aktuell beziehen elf europäische Länder, darunter neun EU-Mitgliedsstaaten wie Deutschland, dieses Gas. Dies unterstreiche die zunehmende strategische Rolle Aserbaidschans in der europäischen Energieversorgung – sowohl im Rahmen der Energiewende als auch im Umgang mit globalen Unsicherheiten, erzählt der Botschafter.

 

Damit das so bleibt, plant Baku Investitionen in Erneuerbare Energien und strebt eine führende Rolle in der regionalen grünen Energieversorgung an. Das Land verfügt über Vorräte von 135 Gigawatt an Land- und 157 Gigawatt an Offshore-Reserven im Kaspischen Meer, insbesondere für die Wind- und Solarenergie.

 

1/3 erneuerbare Energie im Gesamtverbrauch bis 2030

 

„2023 wurde als erster der Garadagh-Solarpark, der größte im Kaspischen Raum mit 230 Megawatt, in Betrieb genommen. Unser Ziel ist es, bis 2030 den Anteil Erneuerbarer Energien in unserem Energiemix auf 35,5 Prozent zu erhöhen.“ Ein geplanter Ökostromkorridor über Georgien und das Schwarze Meer soll den Weg für den Export grüner Energie aus Aserbaidschan nach Rumänien, Ungarn und, perspektivisch, auch nach Deutschland ebnen. Aserbaidschan sei die Brücke zwischen Asien und Europa. Für deutsche Unternehmen eröffneten sich dabei vielfältige Chancen – etwa bei der Netzinfrastruktur, der Energie-Speicherung und bei grünem Wasserstoff, so Aghayev.

 

Auch die kulturelle und humanitäre Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten läuft sehr gut und Deutsch ist in Aserbaidschan eine beliebte und populäre Fremdsprache. „Zudem ist es uns ein wichtiges Anliegen, mit deutschen Regionen direkte Kontakte zu knüpfen und zwischengesellschaftliche Beziehungen anzustoßen und zu fördern.“

 

Nasimi Aghayev ist seit 26 Jahren Diplomat. „In Deutschland wird Aserbaidschan teilweise noch durch Stereotype oder veraltete Vorstellungen geprägt.“ Oft fehle „ein vollständiges Bild unseres Landes, seiner Kultur, Dynamik und modernen Entwicklungen. Zudem würden komplexe geopolitische Zusammenhänge oder historische Hintergründe nicht ausreichend berücksichtigt, und es entstehe ein verzerrtes Bild unseres Landes“, erläutert er.

 

Schnittstelle zu Europa

 

Solche Vorstellungen ändern sich nur langsam, aber Aserbaidschan ist überzeugt: Mehr Austausch – in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Kultur – führt zu mehr Verständnis. Persönliche Begegnungen seien der beste Weg, Vorurteile abzubauen und ein realistisches Bild zu vermitteln.

 

Aserbaidschan liegt an der Schnittstelle Europas und Asiens – ein Land, in dem jahrtausendealte Geschichte auf moderne Dynamik trifft. Geprägt von kultureller Vielfalt, religiöser Toleranz und reichem Erbe, entwickele es sich durch seine strategische Lage, Energieressourcen und Innovationskraft zu einem zentralen Wirtschafts- und Logistikstandort Eurasiens und einem verlässlichen Partner und Freund Deutschlands, resümiert der 46-Jährige.“

 

https://medium.com/@nasimiaghayev/energy-dialogue-and-diplomacy-how-azerbaijan-strengthens-its-ties-with-germany-7c491ec27f88

 

Teilt es

Alle Rechte vorbehalten. Um lizenziertes Material zu verwenden, wenden Sie sich bitte an.
Datenschutz-Bestimmungen